Land und Leute

Geschichte

Frühgeschichte
Die früheste sicher nachgewiesene Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Finnland stammt aus der Zeit nach Ende der letzten Eiszeit rund 8500 v.Chr. Ursprung und Sprache der mittelsteinzeitlichen, nach der wichtigsten Fundstelle Suomusjärvi-Kultur genannten Kultur in Südfinnland sind ungeklärt. Zur gleichen Zeit lebte in der heutigen Finnmark die wahrscheinlich von Westen eingewanderte Komsa-Kultur, die sich auch in das heutige Nordfinnland ausbreitete. Um 5100 v.Chr. ging die Suomusjärvi-Kultur mit der Erfindung des Tongeschirrs in die jungsteinzeitliche sogenannte Kammkeramikkultur über. Um 3200 v.Chr. sickerten aus dem baltischen Raum Vertreter der sogenannten Streitaxtkultur ein, die eine frühe indogermanische Sprache sprachen und sich allmählich mit der Stammbevölkerung vermischten, woraus schließlich die Kiukainen-Kultur als letzte steinzeitliche Kultur in Finnland hervorging.

Die Bronzezeit begann in Finnland um 1700 v. Chr. und setzte sich bis etwa 500 v.Chr. fort, jedoch setzte sich der Gebrauch von Metallgegenständen in dieser Zeit erst allmählich, von der Südwestküste ausgehend durch. Besonders an der Küste begann in dieser Zeit die Ausübung von Ackerbau und Viehzucht. Aus der folgenden vorrömischen Eisenzeit bis etwa zum Beginn unserer Zeitrechnung liegen wegen der geringen Zahl von Funden nur vereinzelte Erkenntnisse vor, Finnland ist in dieser Zeit aber durchgehend besiedelt gewesen.

Von 100 v. Chr. an nahm der Handel mit Mittelleuropa zu, und es wurden viele römische Gegenstände aus dieser Zeit gefunden. Während der Zeit der Völkerwanderung erwarben die finnischen Küstenregionen Wohlstand durch den belebten Ostseehandel, der sich in der Zeit der Wikinger ab dem 8. Jahrhundert weiter verstärkte. Um die Jahrtausendwende verdichteten sich über den Osthandel die Beziehungen Ostfinnlands zu Nowgorod. Mit den Handelsverbindungen kam die Bevölkerung Finnlands auch in Kontakt mit dem christlichen Glauben, im Westen dem römisch-katholischen, im Osten dem orthodoxen.

Finnland als Teil Schwedens

Unter Finnland verstand man das Gebiet des Bistums Turku. Die Gebiete des heutigen Nordfinnlands gehörten zum Bistum Uppsala und wurden nicht zu Finnland gezählt.

Die Anbindung Westfinnlands an Schweden war ein allmählicher Vorgang. Die erstarkten Mächte Schweden und Nowgorod traten aus politischen, wirtschaftlichen und religiösen Gründen in Wettbewerb um das von den Finnen bewohnte Gebiet, und beide Staaten unternahmen ab dem 12. Jahrhundert mehrere mehr oder weniger militärische Kreuzzüge in die Region. Die Grenze zwischen beiden Staaten und damit die Ostgrenze Finnlands wurde erstmals 1323 im Vertrag von Nöteborg festgelegt. Die Tätigkeit der Kirche, die Siedlungsbewegungen schwedischer Einwanderer sowie die Reichsgesetzgebung und -verwaltung trugen dazu bei, dass die neuen Gebiete zu einem festen Teil Schwedens wurden. Ab 1362 hatte Finnland das Recht zur Teilnahme an der schwedischen Königswahl. Während des Mittelalters entstand in Finnland eine ständische Gesellschaft europäischen Stils, ein Städtewesen und eine katholische Kirchenorganisation.

Vom Ende des 14. bis zum 16. Jahrhundert war Finnland als Teil Schwedens Bestandteil der Kalmarer Union bis zu deren Zerfall unter Führung von Gustav I. Wasa. In seiner Herrschaftszeit von 1523 bis 1560 entwickelte sich Schweden zu einem starken Zentralstaat, der die Grundlage für die Großmachtstellung des Reiches im 17. Jahrhundert bildete. Ebenfalls unter Gustav Wasa wurde im Zuge der Reformation der katholische Glauben durch das evangelisch-lutherische Christentum ersetzt.

Während der Großmachtperiode gelang es Schweden, sein Gebiet in Kriegen mit Dänemark, Polen und Russland im Umkreis der Ostsee zu erweitern. Finnland, das während dieser Zeit von Kriegshandlungen verschont blieb, wurde enger in die Reichsverwaltung integriert. Unter der Leitung des Generalgouverneurs Per Brahe des Jüngeren wurden mehrere Städte neu gegründet, in Turku die Akademie und ein Hofgericht geschaffen sowie ein Postwesen entwickelt.

Während des 18. Jahrhunderts schwand die Machtstellung Schwedens, besonders im Großen Nordischen Krieg, in dessen Zuge Finnland 1714 bis 1721 russisch besetzt wurde. Nach Abschluss des Friedens von Nystad endete die Besetzung Finnlands, aber auch die Großmachtstellung Schwedens. In einem weiteren russisch-schwedischen Krieg, dem so genannten Krieg der Hüte 1741 bis 1743 wurde Finnland erneut besetzt, und im anschließenden Frieden wurde die schwedische Ostgrenze bis an den Fluß Kymijoki vorgeschoben.

Russische Herrschaft

1809 musste Schweden Finnland an Russland abtreten. Dann war es als Großfürstentum Finnland in Personalunion mit der russischen Krone verbunden, behielt aber schwedisches Privatrecht, eigene politische Organe, führte 1860 eine eigene Währung ein und als erster europäischer Staat vor dem Ersten Weltkrieg bereits 1906 das Frauenwahlrecht.

Unabhängigkeit und Kriege

Nachdem die zaristische Macht infolge der russischen Februarrevolution zerbrochen war, erklärte das finnische Parlament das Land am 6. Dezember 1917 für unabhängig. Die Unabhängigkeit wurde im Januar 1918 zunächst durch das bolschewistische Russland und in der Folge durch zahlreiche andere Staaten anerkannt. Der Prozess der Ablösung von Russland wurde allerdings von schweren inneren Konflikten begleitet, die am 27. Januar 1918 in einem sozialistischen Umsturzversuch gipfelten. In einem dreimonatigen Bürgerkrieg behielten letztlich die bürgerlichen ?Weißen? die Oberhand.

Im Jahr 1919 bekam Finnland eine republikanische Verfassung. Mit Sowjetrussland wurde 1920 ein Friedens- und Grenzvertrag unterzeichnet, aufgrund dessen die Grenzen Finnlands mit dem früheren Großherzogtum übereinstimmten, Finnland aber zusätzlich das Gebiet Petsamo mit dessen Zugang zum Nordmeer zugestanden wurde. Im Verhältnis zu Schweden entstand Streit um die strategisch bedeutsamen Ålandinseln. Eine Entscheidung des Völkerbundes sprach die Inseln schließlich 1921 Finnland mit der Maßgabe zu, dass sie eine weitgehende Autonomie erhielten.

Im 1939 geschlossenen Hitler-Stalin-Pakt wurde Finnland der sowjetischen Interessensphäre zugewiesen. Der Angriff der Sowjetunion auf Finnland am 30. November 1939 bildete den Auftakt für den Winterkrieg. Trotz zahlreicher erfolgreicher Abwehrschlachten stand die Verteidigung im März vor dem Zusammenbruch, als der Krieg am 13. März 1940 durch den Friedensvertrag von Moskau beendet wurde. Finnland musste große Teile Kareliens und andere Gebiete an die Sowjetunion abtreten.

Als Hitler im Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, trat Finnland in Kooperation mit Deutschland in den Krieg ein, der in Finnland als Fortsetzungskrieg bezeichnet wird. Die finnische Armee eroberte nicht nur die verlorenen Gebiete zurück, sondern drang auch tief in das zur Sowjetunion gehörige Gebiet Ostkareliens ein mit dem Ziel, die von finnischstämmiger Bevölkerung bewohnten Gebiete zu einem Großfinnland zusammenzuführen. 1944 war Finnland jedoch zum Rückzug aus den besetzten Gebieten gezwungen und sah sich erneut der drohenden sowjetischen Besetzung gegenüber. Am 19. September 1944 schloss Finnland mit der Sowjetunion einen Separatfrieden, der den Fortsetzungkrieg beendete. Die Gebietsverluste des Winterkrieges wurden bestätigt, zudem musste Petsamo abgetreten werden.

Der Separatfrieden verpflichtete Finnland, die deutschen Truppen aus dem Land zu vertreiben, und so schloss sich der finnisch-deutsche Lapplandkrieg an, in dessen Verlauf die sich zurückziehenden deutschen Truppen große Teile Lapplands völlig zerstörten. Der Krieg endete am 27. April 1945 mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten aus Kilpisjärvi. Der Kriegszustand wurde endgültig beendet durch den Pariser Friedensvertrag von 1947.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit und insbesondere im Kalten Krieg nahm Finnland einer Sonderstellung im Spannungsfeld zwischen den Blöcken ein. Das Land hatte sich im Krieg seine Unabhängigkeit und die marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung bewahrt, die Sowjetunion behielt aber einen großen Einfluss auf die finnische Politk. Finnland verfolgte einerseits eine strikte Neutralitätspolitik, andererseits eine insbesondere durch Präsident Juho Kusti Paasikivi vorangetriebene Versöhnung mit der Sowjetunion. 1948 wurde mit der Sowjetunion ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen geschlossen, das durch mehrfache Verlängerung bis zum Ende der Sowjetunion in Kraft blieb. Konflikte mit dem östlichen Nachbarn wurden durch intensive, oftmals inoffizielle Kontakte der finnischen Politik mit Moskau vermieden. Diese Politik, die verschiedentlich den Eindruck des vorauseilenden Gehorsams erweckte, wurde im westlichen Ausland mit dem geringschätzigen Prädikat der Finnlandisierung belegt.

Der prägende Politiker im Nachkriegsfinnland war Urho Kekkonen, der von 1956 bis 1982 Präsident der Republik Finnland war. Er verband die seinerzeit weitreichenden verfassungsmäßigen Befugnisse des Präsidenten mit einem autokratischen Führungsstil, und die Pflege der Beziehungen zur Sowjetunion betrachtete er weigehend als seine Privatangelegenheit. 1973 ließ er seine Amtszeit durch ein parlamentarisches Ausnahmegesetz verlängern, obwohl an seiner Wiederwahl in den regulären Wahlen kaum Zweifel bestanden hätte. Insgesamt wird der Amtszeit Kekkonens daher ein Demokratiedefizit bescheinigt, der Präsident konnte sich aber während der gesamten Periode der Unterstützung der Wählermehrheit sicher sein.

Zu den bedeutendsten Erfolgen Kekkonens gehört die 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Konferenz, welche neben deren Auswirkungen auf den Verständigungsprozess in Europa auch die Stellung Finnlands als neutralem Staat festigte.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion stürzte Finnland, dessen Wirtschaft sich zu einem großen Teil auf den Osthandel stützte, Anfang der Neunzigerjahre in eine schwere Wirtschaftskrise. Gleichzeitig erlangte das Land aber größeren außenpolitischen Spielraum. 1992 nahm Finnland Verhandlungen zum Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft auf, die 1995 in der Vollmitgliedschaft in der heutigen Europäischen Union mündeten.

Politik

Der Finnische Staatspräsident wird für maximal zwei Amtsperioden von je sechs Jahren direkt vom Volk gewählt. Nach der Verfassung von 1919 war Finnland eine Präsidialrepublik mit dominierender Stellung des Staatspräsidenten. Der Präsident hatte das Recht, das Parlament aufzulösen, konnte gegen jedes vom Parlament erlassene Gesetz ein Veto einlegen und ernannte den Ministerpräsidenten. Zugleich mit dem Amtsantritt der derzeitigen Staatspräsidentin Tarja Halonen im Frühjahr 2000 trat eine Verfassungsänderung in Kraft, die die zuvor sehr ausgedehnten Befugnisse des Staatsoberhauptes beschränkt. Infolge dessen konnte Tarja Halonen nicht mehr in demselben Ausmaße wie ihre Vorgänger Urho Kekkonen, Mauno Koivisto und Martti Ahtisaari auch in der Gestaltung der Innen- und Außenpolitik hervortreten. Nach der neuen Verfassung leitet der Präsident in Zusammenarbeit mit der Regierung die Außenpolitik. Außerdem hat der Präsident den Oberbefehl über die Streitkräfte und kann hohe Staatsbeamte und Richter ernennen.

Seit 2000 ist die Sozialdemokratin Tarja Halonen als erste Frau die Präsidentin von Finnland. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2006 erhielt sie 46,3% der Stimmen. In der Stichwahl am 29. Januar 2006 zwischen Halonen und dem früheren Finanzminister Sauli Niinistö, der in der Ersten Runde mit 24,1% Platz zwei erreicht hatte, setzte sie sich dann mit 51,8% durch. Um das Amt des Präsidenten hatten sich insgesamt acht Kandidaten beworben, darunter auch der amtierende Ministerpräsident Matti Vanhanen, der in der ersten Runde mit 18,6% der Stimmen ausschied.

Gesetzgebendes Organ ist das Parlament (finn. Eduskunta, schwed. Riksdag), ein Einkammerparlament mit 200 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Aufgrund der hohen Anzahl kleiner Splitterparteien und der Tatsache, dass wichtige Gesetze meist eine Zweidrittelmehrheit benötigen, müssen oft breite Koalitionsregierungen gebildet werden. Ministerpräsident ist seit Juni 2003 Matti Vanhanen.

Justiz

Die beiden höchsten Gerichtsinstanzen sind der Oberste Gerichtshof und der Oberste Verwaltungsgerichtshof in Helsinki.

Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Die finnische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist nachhaltig von der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges geprägt. In der kollektiven Erinnerung ist die Ansicht tief verwurzelt, dass auf Verbündete kein Verlass sei und die Landesverteidigung im Kriegsfall aus eigener Kraft gewährleistet sein sollte. So spricht sich bis heute eine breite Bevölkerungsmehrheit gegen einen NATO-Beitritt des Landes aus. Die Verteidigungspolitik ist daher auf eine totale Verteidigung (kokonaismaanpuolustus) der staatlichen Souveränität, territorialen Integrität und demokratischen Verfassung des Landes ausgerichtet.

Im Kalten Krieg war Finnland bemüht, gute Beziehungen zur Sowjetunion zu unterhalten, den mächtigen Nachbarn und vormaligen Kriegsgegner aber gleichzeitig auf Abstand zu halten. So schlossen die beiden Staaten 1948 einen „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ ab, doch wusste Finnland die darin vorgesehenen Gipfeltreffen immer wieder zu vertagen. Das Bemühen, im Zuge der fortschreitenden Blockbildung die Neutralität zu wahren, bestimmte die finnische Außenpolitik ab den 1950er Jahren und wird nach den Staatspräsidenten dieser Zeit als Paasikivi-Kekkonen-Linie bezeichnet. Zwar war Finnland durch die stete Rücksichtnahme auf die Interessen Moskaus in seiner außenpolitischen Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt, konnte die Wehrfähigkeit des Staates jedoch wahren. Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges hält Finnland an der Allianzfreiheit fest, doch ist die Doktrin der strikten Neutralität einer aktiven Westpolitik gewichen. So kooperiert Finnland seit 1994 im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden und seit 1997 als Mitglied des Euro-Atlantischen Partnerschaftsrats mit der NATO. Finnische Soldaten sind derzeit für die von der NATO geführten Sicherungstruppen im Kosovo (KFOR) und Afghanistan (ISAF) im Einsatz. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union 1995 und dem Bekenntnis zur europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik trat das Land zwar keinem eigentlichen Militärbündnis bei, stellte aber dennoch seine Sicherheitspolitik und damit auch seine Streitkräfte in den Dienst supranationaler Interessen. Zum 1. Januar 2006 werden erstmals finnische Soldaten an einem Kampfverband der EU teilnehmen und für Einsätze im Sinne der Petersberg-Aufgaben bereit stehen.

Religion

Seit 1923 ist die Religionsfreiheit in der finnischen Verfassung garantiert. Die Evangelisch-Lutherische Kirche und die Orthodoxe Kirche sind per Gesetz als Volkskirchen festgeschrieben und genießen besondere Vorrechte. Ihre Mitglieder zahlen eine Kirchensteuer in Höhe von 1 bis 2,25 % ihres Einkommens, zudem erhalten die Volkskirchen weitere staatliche Zuwendungen für soziale und karitative Zwecke, aber auch für Instandsetzungsaufgaben wie die Friedhofspflege. Obwohl die finnische Gesellschaft weitgehend säkularisiert sind, sind rund 85% der Bevölkerung konfessionell gebunden; nur 14,7% erklärten sich im Jahr 2006 konfessionslos.

Die große Mehrheit der Finnen gehört der evangelisch-lutherischen Kirche an, deren geistiges Zentrum der Dom von Turku ist.Die Evangelisch Lutherischen Kirche Finnlands  hatte im Jahr 2006 4.366.255 Mitglieder, was über 83% der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Zahl ist allerdings seit Jahren rückläufig, insbesondere seit ein Gesetz im Jahre 2003 den Kirchenaustritt erleichterte. Auch die Anzahl der Gottesdienstbesucher nimmt ab. Nur 2 % der Kirchenmitglieder besuchen wöchentlich eine Kirche, rund 10 % einmal monatlich. Die meisten Gläubigen besuchen Gottesdienste nur an hohen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder zu familiären Anlässen wie Taufen, Hochzeiten und Bestattungen. Dennoch genießt die Kirche hohes Ansehen in der Bevölkerung und stellt insbesondere in ländlichen Gebieten ein wichtiges soziales Netzwerk dar.

In manchen ländlichen Gegenden dominieren Erweckungsbewegungen das Gemeindeleben. In Nordfinnland ist der Laestadianismus weit verbreitet, insgesamt hat er in Finnland rund 120.000 Anhänger. Vor allem in Teilen Savos und Österbottens sind pietistische Gruppen stark vertreten.

Trotz des geringen Anteils von 1,1 % der Bevölkerung nimmt die orthodoxe Kirche vielfach eine sichtbare Stellung ein, hier die orthodoxe Kirche von Tampere
Der seit 1923 autonomen Orthodoxen Kirche in Finnland gehören rund 60.000 Menschen in 24 Gemeinden an, also rund 1,1% der Bevölkerung. Das orthodoxe Christentum verbreitete sich seit dem Mittelalter von Nowgorod aus vor allem nach Karelien. Während der russischen Herrschaft bildeten sich mit den Zuzug von russischen Beamten und Militärs auch orthodoxe Gemeinden in den Großstädten des Landes, deren Nachkommen, die so genannten ?alten Russen,? heute rund 3000 Köpfe zählen. Als Finnland nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg große Teile Kareliens an die Sowjetunion abtreten musste, wurden auch zehntausende orthodoxe Karelier umgesiedelt und über ganz Finnland verstreut. Auch die Mönche des berühmten Inselklosters Valamo im Ladogasee flohen vor dem sowjetischen Vormarsch nach Westen und gründeten in Heinävesi das Kloster Uusi-Valamo („Neu-Walamo“). Eine weitere orthodoxe Gruppe, die 1945 ins finnische Kernland floh, sind die rund 400 Skoltsamen in der Gemeinde Inari. Seit 1990 hat sich die Anzahl der orthodoxen Christen durch die Einwanderung von „neuen Russen“ aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion deutlich erhöht.

Nicht zur evangelischen Volkskirche gehören die verschiedenen Pfingstkirchen, der mindestens 50.000 Menschen angehören. Zudem gibt es in Finnland 19.200 Zeugen Jehovas und über 3.300 Mormonen. Die Katholische Kirche in Finnland hat rund 8.000 Anhänger, zumeist Ausländer oder Einwanderer vor allem aus Polen. Das katholische Bistum Helsinki besteht seit 1995 und umfasst ganz Finnland.

In Finnland existieren zwei jüdische Gemeinden mit insgesamt rund 1.500 Mitgliedern, von denen 1.200 in Helsinki und 200 in Turku leben. Die finnischen Juden sind überwiegend Nachkommen von Kantonisten, also Zwangsrekruten der Zarenarmee, die nach dem Ende ihrer Dienstzeit in Finnland blieben, oder von russischen Juden, die nach der Oktoberrevolution nach Finnland flohen. Sie sind in der finnischen Gesellschaft gut integriert und sprechen zumeist beide Landessprachen fließend. Jiddisch wird nurmehr von wenigen Älteren gesprochen. Im unabhängigen Finnland waren die Juden zu keiner Zeit systematischem Antisemitismus ausgesetzt. So gab es selbst im Fortsetzungskrieg, als Finnland an der Seite des nationalsozialistischen Deutschland gegen die Sowjetunion kämpfte, eine Feldsynagoge für die auf finnischer Seite kämpfenden Juden.

Ebenfalls seit der Zarenzeit ist eine tatarische Minderheit muslimischen Glaubens ansässig, deren Vorfahren zwischen 1870 und 1920 vom Oberlauf der Wolga nach Finnland übersiedelten. 1925 gründeten sie die Finnische Islamische Gemeinde, die erste staatlich anerkannte islamische Gemeinde Westeuropas. Heute leben in Finnland rund 800 Tataren, die meisten von ihnen in Helsinki und Umgebung. Sie haben auch in der fünften und sechsten Generation ihre Sprache bewahren können, sprechen aber auch durchweg fließend Finnisch oder Schwedisch. Seit 1990 hat sich die Zahl der in Finnland lebenden Muslime durch die Aufnahme von tausenden somalischer Flüchtlinge, aber auch durch Einwanderung aus dem Nahen Osten und Südosteuropa vervielfacht. Insgesamt leben in Finnland heute rund 20.000 Muslime.

Bevölkerung

Finnland hat eine Bevölkerung von etwa 5,25 Millionen Menschen und ist damit ein dünn besiedeltes Land mit einer Bevölkerungsdichte von rund 15,5 Einwohnern je Quadratkilometer. Dabei ist die Bevölkerung sehr ungleich verteilt. Während die nördliche Provinz Lappland mit 1,9 Einwohnern je Quadratkilometer fast menschenleer ist, konzentrieren sich etwa 40 % der Bevölkerung auf die Provinz Südfinnland mit 62,6 Einwohnern je Quadratkilometer. Allein rund 1,233 Millionen Menschen leben im Großraum Helsinki. Weitere Ballungsräume sind die Städte Tampere, Turku und Oulu mit ihren Einzugsgebieten.

Demographische Entwicklung

Die Altersstruktur der Bevölkerung Finnlands zeigt eine Spitze in den geburtenstarken Jahrgängen 1946-1949.

Die Bevölkerungsentwicklung ist bis heute von einer andauernden Landflucht geprägt, vor allem junge Menschen ziehen zur Ausbildung und Arbeit in die Städte, wodurch die ländlichen Gemeinden besonders in Ost- und Mittelfinnland unter Bevölkerungsschwund und Überalterung zu leiden haben. Während zum Beispiel 2005 landesweit rund 36 der Bevölkerung unter 30 Jahren alt war, waren es im ostfinnischen Suomussalmi nur 28 %.

Insgesamt zeigt die Bevölkerungsstruktur eine Tendenz zur Alterung. Die Geburtenrate liegt zwar mit rechnerisch 1,74 Kindern pro Frau über dem europäischen Durchschnitt, genügt aber nicht, um insbesondere die Alterung der besonders geburtenstarken Jahrgänge 1946 bis 1949 auszugleichen. Derzeit zeigt die Bevölkerungsentwicklung noch eine leicht ansteigende Tendenz. Es wird erwartet, dass diese insbesondere durch Zuzug von Ausländern noch bis etwa 2030 anhält und es dann zu einer Bevölkerungsabnahme kommt.

In der Nachkriegszeit wanderten über eine halbe Million Finnen aus, zumeist nach Schweden. Ihre Spitze erreichte diese Entwicklung um 1970, als in Schweden Hochkonjunktur herrschte und in Finnland die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängten und jährlich rund 40.000 Finnen nach Schweden umsiedelten. In der Folge hat der Auswandererstrom stark nachgelassen. Heute verlassen jährlich rund 10.000-15.000 Menschen das Land, ein Verlust, der durch die Zuwanderung von knapp 20.000 Menschen überkompensiert wird.

Bevölkerungsgruppen und Sprachen

Finnland ist offiziell zweisprachig. Landesweit geben 91,7 % der Bevölkerung Finnisch und von 5,5 % Schwedisch als Muttersprache an. Die schwedischsprachige Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf die Küstenregionen im Süden und in Österbotten, wo der finnlandschwedische Dialekt verwendet wird, sowie auf die Provinz Åland.

Die Wohngebiete der schwedischsprachigen Finnen konzentrieren sich auf die Küstenregionen und Åland.

Die Sprachpolitik Finnlands wurde seit dem 19. Jahrhundert durch teilweise erbitterte Auseinandersetzungen um das Verhältnis zwischen der finnischen und der schwedischen Sprache bestimmt. Heute sind beide Sprachen durch die finnische Verfassung als Amtssprachen festgeschrieben. Jede Gemeinde ist entweder finnischsprachig, schwedischsprachig oder zweisprachig. Eine Gemeinde gilt als zweisprachig, wenn die sprachliche Minderheit von mindestens 3000 Einwohnern repräsentiert wird oder alternativ einen Bevölkerungsanteil von 8 % ausmacht. Nach der derzeitigen, bis zum Jahr 2012 gültigen Einteilung sind in Finnland 19 Gemeinden schwedischsprachig (davon 16 in der Provinz Åland) und 44 Gemeinden zweisprachig. Die übrigen 383 Gemeinden sind ausschließlich finnischsprachig.

Besonderen Schutz als ethnische Minderheit genießen die Samen, die ihr Siedlungsgebiet in den nördlichen Regionen Lapplands haben. Die samischen Sprachen, die sich in die eigenständigen Sprachen Nord-Sami, Inari-Sami und Skolt-Sami unterteilen, werden heute noch von etwa 1750 finnischen Samen als Muttersprache gesprochenen und haben einen offiziellen Status in den den Gemeinden Enontekiö, Inari und Utsjoki sowie im Nordteil der Gemeinde Sodankylä. Zur Überwachung der Stellung der samischen Sprachen und zur Verwirklichung einer sprachlichen und kulturellen Selbstverwaltung wurde 1996 eine eigene parlamentarische Vertretung der Samen (sámediggi) gegründet.

Seit etwa 500 Jahren sind kleinere Gruppen von Roma in Finnland ansässig. Deren Sprache, Romani, hat einen Status als offizielle Minderheitensprache. Durch Zuwanderung aus dem Ausland sind heute auch zahlreiche andere Ethnien in Finnland vertreten, ohne allerdings einen besonderen Status zu genießen. Insgesamt ist der Ausländeranteil mit rund 2 % im europäischen Vergleich gering. Die größte sprachliche Minderheit besteht aus den etwa 40.000 Sprechern der Russischen Sprache. Zu ihnen gehören auch zahlreiche finnischstämmige Zuwanderer aus Karelien und dem Ingermanland, denen seit den Neunzigerjahren das Recht auf „Rückkehr“ nach Finnland zugestanden wurde.